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  • AutorenbildDr. Michael Thorn

AGG-Schadensersatz bei Kündigung eines Schwerbehinderten ohne vorherige Zustimmung?

Aktualisiert: 31. Juli 2023

Kann eine Kündigung ohne vorherige Zustimmung des Integrationsamts einen Anspruch auf Schadensersatz gemäß AGG wegen Benachteiligung begründen?


Waage der Justizia

Hier geht es um eine Klage auf Entschädigung wegen Benachteiligung aufgrund einer Kündigung ohne Einhaltung der Vorschriften, die für die Kündigung von schwerbehinderten Arbeitnehmern gelten.


Der Kläger war als Hausmeister beschäftigt und wurde arbeitsunfähig krank. Der Arbeitgeber kündigte ihm später. Der Kläger behauptete, dass die Kündigung aufgrund seiner Schwerbehinderung erfolgte und forderte eine Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).


Die Vorinstanzen haben die Klage abgewiesen und auch die Revision des Klägers hatte vor dem Bundesarbeitsgericht keinen Erfolg.


Dort wurde festgestellt, dass der Kläger nicht nachgewiesen hat, dass die Benachteiligung aufgrund seiner Schwerbehinderung erfolgte.


Obwohl der Verstoß des Arbeitgebers gegen eine Bestimmung zugunsten schwerbehinderter Menschen im Einzelfall eine Vermutung begründen kann, dass die Schwerbehinderung mitursächlich für die Benachteiligung war, hat der Kläger keinen Verstoß des Arbeitgebers gegen diese Bestimmung schlüssig dargelegt.


Verstoß gegen AGG bei Verletzung von Schutzvorschriften

Ein Arbeitgeber ist verpflichtet, bestimmte Verfahrens- und Förderpflichten zugunsten von schwerbehinderten Menschen einzuhalten. Wenn er gegen diese Vorschriften verstößt, kann dies die – vom Arbeitgeber widerlegbare – Vermutung begründen, dass die Benachteiligung, die ein schwerbehinderter Mensch erfahren hat, aufgrund seiner Schwerbehinderung erfolgte (gemäß § 22 AGG). Ein Beispiel für solche Vorschriften ist § 168 SGB IX, wonach der Arbeitgeber vor der Kündigung des Arbeitsverhältnisses eines schwerbehinderten Menschen die Zustimmung des Integrationsamts einholen muss.


Zum Sachverhalt

In dem konkreten Fall stritten die Parteien darüber, ob der Arbeitgeber verpflichtet ist, eine Entschädigung nach § 15 Abs. 2 AGG wegen Benachteiligung aufgrund von (Schwer)Behinderung zu zahlen. Der Kläger war als Hausmeister bei dem Beklagten beschäftigt und wurde an einer Grundschule im Rahmen eines Vertrags mit der Stadt L. eingesetzt. Nachdem der Kläger krankheitsbedingt arbeitsunfähig geworden war, kündigte die Stadt L. den Vertrag mit dem Arbeitgeber, der daraufhin das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger kündigte.


Der Kläger behauptete, dass seine Kündigung aufgrund seiner Schwerbehinderung erfolgte und forderte eine Entschädigung. Er argumentierte, dass der Arbeitgeber gegen Verfahrens- und Förderpflichten zugunsten von schwerbehinderten Menschen verstoßen habe, indem er ihn ohne vorherige Zustimmung des Integrationsamts gekündigt habe.


Obwohl der Kläger zum Zeitpunkt der Kündigung noch keinen offiziellen Schwerbehindertenausweis hatte und auch kein Antrag auf Anerkennung gestellt worden war, sei seine Schwerbehinderung offenkundig gewesen, da er aufgrund eines Schlaganfalls mit halbseitiger Lähmung auf der Intensivstation gelegen habe.


Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts

Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab, und auch die Revision des Klägers vor dem Bundesarbeitsgericht hatte keinen Erfolg.


Das Gericht entschied, dass der Kläger nicht dargelegt hatte, dass die Benachteiligung aufgrund seiner Schwerbehinderung erfolgte.


Obwohl ein Verstoß gegen § 168 SGB IX die Vermutung begründen kann, dass die Schwerbehinderung ursächlich für die Benachteiligung war, hatte der Kläger keinen Verstoß des Arbeitgebers gegen diese Bestimmung schlüssig dargetan.

Es lagen keine Umstände vor, die im Zeitpunkt der Kündigung eine offenkundige Schwerbehinderung nahelegten.



Hinweis: Dieser Beitrag dient nur zu Informationszwecken und stellt keine rechtliche Beratung dar. Bei konkreten Rechtsfragen sollten Sie immer einen Anwalt für Arbeitsrecht konsultieren, um eine individuelle und fundierte Beratung zu erhalten.



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