Anwalt Arbeitsrecht München - Fachanwalt Arbeitsrecht - Kündigung - Aufhebungsvertrag - Abfindung - Tel. 089/3801990
Fachanwalt für Arbeitsrecht – Qualifikation, Vorteile und Einsatzgebiete
Herausgeber: DR. THORN Rechtsanwälte PartG mbB München – Autor: Dr. Michael Thorn, Rechtsanwalt – Stand: Februar 2026
Der Fachanwalt für Arbeitsrecht ist die höchste Spezialisierungsstufe, die ein Rechtsanwalt auf dem Gebiet des Arbeitsrechts erlangen kann. Die Bezeichnung ist gesetzlich geschützt und darf nur führen, wer besondere theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen nachgewiesen hat. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die einen Rechtsstreit im Arbeitsrecht führen oder eine komplexe arbeitsrechtliche Frage klären müssen, bietet der Fachanwalt eine verlässliche Qualitätsgarantie.
Das Arbeitsrecht ist eines der vielschichtigsten Rechtsgebiete – es umfasst das individuelle Arbeitsrecht (vom Arbeitsvertrag bis zur Kündigung), das kollektive Arbeitsrecht (vom Betriebsrat bis zum Tarifvertrag), das Arbeitsschutzrecht und das Arbeitsgerichtsverfahren. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht beherrscht alle diese Bereiche und kann komplexe Zusammenhänge schnell erkennen und rechtlich einordnen.
Dieser Artikel erklärt, welche Voraussetzungen ein Fachanwalt für Arbeitsrecht erfüllen muss, welche Vorteile die Mandatierung eines Fachanwalts bietet und in welchen Situationen die Hinzuziehung eines Fachanwalts besonders sinnvoll ist.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Trotz sorgfältiger Bearbeitung wird keine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernommen. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Das Wichtigste in Kürze
Geschützte Bezeichnung: Die Bezeichnung „Fachanwalt für Arbeitsrecht" ist gesetzlich geschützt und wird von der zuständigen Rechtsanwaltskammer nach Prüfung der Voraussetzungen verliehen.
Theoretische Kenntnisse: Der Anwalt muss einen mindestens 120-stündigen Fachanwaltslehrgang erfolgreich absolvieren, der alle Bereiche des Arbeitsrechts abdeckt (§ 5 FAO).
Praktische Erfahrung: Innerhalb von drei Jahren vor der Antragstellung müssen mindestens 100 arbeitsrechtliche Fälle bearbeitet worden sein, davon mindestens die Hälfte gerichtliche Verfahren (§ 14f FAO).
Fortbildungspflicht: Fachanwälte müssen sich jährlich im Umfang von mindestens 15 Zeitstunden im Arbeitsrecht fortbilden (§ 15 FAO). Wird die Fortbildung nicht nachgewiesen, kann die Fachanwaltsbezeichnung entzogen werden.
Vorteil für Mandanten: Die Fachanwaltsbezeichnung garantiert vertiefte Fachkenntnis, umfangreiche Praxiserfahrung und ständige Aktualität des Wissens.
Voraussetzungen für die Fachanwaltsbezeichnung
Theoretische Kenntnisse
Der Bewerber muss besondere theoretische Kenntnisse im Arbeitsrecht nachweisen (§ 4 FAO). Diese werden in der Regel durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Fachanwaltslehrgang von mindestens 120 Zeitstunden erbracht (§ 5 Abs. 1 FAO). Der Lehrgang umfasst alle wesentlichen Bereiche des Arbeitsrechts, darunter das individuelle Arbeitsrecht, einschließlich Vertragsgestaltung, Kündigungsschutz, Befristungsrecht und Zeugnisrecht, das kollektive Arbeitsrecht, einschließlich Betriebsverfassungsrecht und Tarifvertragsrecht, das arbeitsgerichtliche Verfahrensrecht sowie das europäische Arbeitsrecht und die Grundzüge des Sozialversicherungsrechts.
Der Lehrgang schließt mit Klausuren ab. Alternativ kann der Nachweis besonderer theoretischer Kenntnisse auch durch eine Veröffentlichung im Arbeitsrecht oder eine gleichwertige Prüfung erbracht werden.
Praktische Erfahrung
Neben den theoretischen Kenntnissen muss der Bewerber besondere praktische Erfahrungen nachweisen. Für den Fachanwalt für Arbeitsrecht sind nach § 14f FAO innerhalb der letzten drei Jahre vor der Antragstellung mindestens 100 Fälle aus dem Arbeitsrecht erforderlich. Davon müssen mindestens 50 Fälle gerichtliche Verfahren sein – regelmäßig vor dem Arbeitsgericht oder dem Landesarbeitsgericht. Die Fälle müssen eine gewisse Breite und Vielfalt aufweisen – es genügt nicht, 100 gleichartige Fälle zu bearbeiten.
Verleihung durch die Rechtsanwaltskammer
Die Fachanwaltsbezeichnung wird auf Antrag von der zuständigen Rechtsanwaltskammer verliehen. Die Kammer prüft die eingereichten Nachweise – sowohl die theoretischen Kenntnisse als auch die praktische Erfahrung – und führt gegebenenfalls ein Fachgespräch. Mit der Verleihung darf der Rechtsanwalt die Bezeichnung „Fachanwalt für Arbeitsrecht" führen und auf seinem Briefkopf, seiner Internetseite und in der Kommunikation verwenden.
Fortbildungspflicht
Die Fachanwaltsbezeichnung ist keine einmalige Auszeichnung, sondern mit einer laufenden Fortbildungspflicht verbunden. Fachanwälte müssen nach § 15 FAO jährlich mindestens 15 Zeitstunden Fortbildung im Arbeitsrecht nachweisen. Die Fortbildung kann durch Teilnahme an Seminaren, Vorträgen oder wissenschaftlichen Veröffentlichungen erbracht werden. Der Nachweis ist der Rechtsanwaltskammer auf Verlangen vorzulegen. Wird die Fortbildung nicht nachgewiesen, kann die Kammer die Befugnis zur Führung der Fachanwaltsbezeichnung widerrufen.
Die Fortbildungspflicht stellt sicher, dass Fachanwälte stets auf dem aktuellen Stand der Rechtsprechung und Gesetzgebung sind – ein entscheidender Vorteil in einem Rechtsgebiet, das sich durch ständige Weiterentwicklung auszeichnet.
Vorteile der Mandatierung eines Fachanwalts
Vertiefte Fachkenntnis
Der Fachanwalt für Arbeitsrecht verfügt über vertiefte Kenntnisse in allen Bereichen des Arbeitsrechts. Er kennt die aktuelle Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts und der Landesarbeitsgerichte und kann die Erfolgsaussichten einer Klage oder die Risiken einer Vereinbarung fundiert einschätzen. Diese Spezialisierung ermöglicht eine schnellere und präzisere Bearbeitung – der Fachanwalt muss sich nicht erst in die Materie einarbeiten.
Verhandlungserfahrung
Durch die Bearbeitung von mindestens 100 Fällen – davon mindestens die Hälfte vor Gericht – verfügt der Fachanwalt über umfangreiche Verhandlungserfahrung. In der Güteverhandlung und im Kammertermin kann er die Interessen seiner Mandanten wirkungsvoll vertreten. Die Erfahrung in der Verhandlung von Abfindungen, der Gestaltung von Aufhebungsverträgen und der Führung von Kündigungsschutzprozessen ist ein wesentlicher Vorteil.
Aktualität des Wissens
Die jährliche Fortbildungspflicht von 15 Stunden garantiert, dass der Fachanwalt stets über die neuesten Entwicklungen im Arbeitsrecht informiert ist. In einem Rechtsgebiet, in dem sich Rechtsprechung und Gesetzgebung ständig weiterentwickeln, ist dies von erheblicher Bedeutung.
Wann ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht sinnvoll?
Die Hinzuziehung eines Fachanwalts für Arbeitsrecht ist in zahlreichen Situationen empfehlenswert.
Bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber muss die Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen erhoben werden – die Dreiwochenfrist ist eine Ausschlussfrist, deren Versäumung regelmäßig zum Verlust des Kündigungsschutzes führt.
Bei der Verhandlung eines Aufhebungsvertrags geht es um die optimale Gestaltung der Konditionen – insbesondere der Abfindung, der Freistellung, des Arbeitszeugnisses und der Vermeidung einer Sperrzeit.
Bei der Prüfung oder Gestaltung von Arbeitsverträgen kann der Fachanwalt unwirksame Klauseln erkennen und die Rechte des Mandanten sichern.
Bei Streitigkeiten über Überstunden, Abmahnungen oder Mobbing am Arbeitsplatz ist die Einschaltung eines Spezialisten besonders wichtig.
Auch für Arbeitgeber ist der Fachanwalt ein wichtiger Berater – etwa bei der Gestaltung von Betriebsvereinbarungen, bei betriebsbedingten Kündigungen oder bei der Durchführung eines Interessenausgleichs.
Kosten und Rechtsschutzversicherung
Die Kosten eines Fachanwalts für Arbeitsrecht richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) – wie bei jedem anderen Rechtsanwalt auch. Die Fachanwaltsbezeichnung führt nicht zu höheren Gebühren.
Im Arbeitsgerichtsverfahren erster Instanz trägt jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens (§ 12a ArbGG). Wer über eine Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrechtsschutz verfügt, kann die Kosten des Fachanwalts in der Regel über die Versicherung abdecken lassen. Die Erstberatung ist ein guter Einstieg, um die Erfolgsaussichten und das weitere Vorgehen zu klären.
Praxishinweise
Für Arbeitnehmer
Suchen Sie bei arbeitsrechtlichen Problemen frühzeitig einen Fachanwalt auf – viele Fristen im Arbeitsrecht sind kurz und nicht verlängerbar. Prüfen Sie, ob Ihre Rechtsschutzversicherung Arbeitsrecht abdeckt. Bringen Sie zum ersten Termin alle relevanten Unterlagen mit – insbesondere den Arbeitsvertrag, Gehaltsabrechnungen, die Kündigung oder den Aufhebungsvertragsentwurf und etwaige Abmahnungen.
Für Arbeitgeber
Ziehen Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzu, bevor Sie eine Kündigung aussprechen oder einen Aufhebungsvertrag anbieten – nicht erst danach. Die Vorbereitung einer rechtssicheren Kündigung, die Prüfung der Sozialauswahl bei betriebsbedingten Kündigungen und die Gestaltung von Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen erfordern spezialisierte Kenntnisse. Investieren Sie in die anwaltliche Beratung vor der Maßnahme – das ist in aller Regel günstiger als die nachträgliche Verteidigung vor dem Arbeitsgericht.
Verwandte Themen im Arbeitsrecht-Lexikon
Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät und vertritt Mandanten in allen Bereichen des Arbeitsrechts. Besonders häufige Mandate betreffen die Kündigungsschutzklage, den Aufhebungsvertrag und die Abfindungsverhandlung. Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht hat eigene Besonderheiten, die der Fachanwalt kennt. Die Erstberatung bietet einen niedrigschwelligen Einstieg. Die Rechtsschutzversicherung kann die Kosten der anwaltlichen Vertretung abdecken.
Fachanwalt für Arbeitsrecht in München
DR. THORN Rechtsanwälte PartG mbB berät Arbeitnehmer und Arbeitgeber in allen Bereichen des Arbeitsrechts. Dr. Michael Thorn ist Rechtsanwalt und seit über 25 Jahren auf das Arbeitsrecht spezialisiert.
☎ 089 / 380 199 0 | ✉ thorn@thorn-law.de
In mehr als 1.500 Mandaten haben wir Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertreten – von der Erstberatung über die Vertragsgestaltung bis zur Vertretung vor dem Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht.
Dieser Artikel wurde von Rechtsanwalt Dr. Michael Thorn erstellt. Stand: Februar 2026.
DR. THORN Rechtsanwälte
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Telefon: 089 3801990

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FAQ - Fachanwalt für Arbeitsrecht
Was unterscheidet einen Fachanwalt für Arbeitsrecht von einem normalen Rechtsanwalt?
Der Fachanwalt hat eine zusätzliche Qualifikation nachgewiesen: einen mindestens 120-stündigen Fachlehrgang, mindestens 100 bearbeitete Fälle im Arbeitsrecht (davon mindestens die Hälfte gerichtlich) und eine jährliche Fortbildungspflicht von 15 Stunden. Jeder Rechtsanwalt darf arbeitsrechtliche Mandate übernehmen – aber nur der Fachanwalt hat die vertiefte Spezialisierung nachgewiesen und muss sein Wissen laufend aktuell halten.
Ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht teurer als ein normaler Anwalt?
Nein, die Fachanwaltsbezeichnung führt nicht zu höheren Gebühren. Die Vergütung richtet sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) – wie bei jedem anderen Rechtsanwalt auch. Im arbeitsgerichtlichen Verfahren erster Instanz trägt zudem jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Sie bekommen also mehr Expertise zum gleichen Preis.
Wann sollte ich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht einschalten?
Besonders wichtig ist die frühzeitige Einschaltung eines Fachanwalts bei Erhalt einer Kündigung (die Klagefrist beträgt nur drei Wochen), bei der Verhandlung eines Aufhebungsvertrags, bei Abmahnungen, bei Streitigkeiten über Gehalt, Bonus oder Zeugnis und bei der Prüfung eines neuen Arbeitsvertrags. Grundsätzlich gilt: Je früher Sie sich beraten lassen, desto mehr Handlungsoptionen bestehen.
Übernimmt die Rechtsschutzversicherung die Kosten des Fachanwalts?
In der Regel ja, wenn Ihre Rechtsschutzversicherung den Baustein Arbeitsrechtsschutz enthält. Die Versicherung übernimmt die gesetzlichen Anwaltsgebühren – unabhängig davon, ob der beauftragte Anwalt Fachanwalt ist oder nicht. Prüfen Sie Ihren Versicherungsvertrag oder fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach einer Deckungszusage, bevor Sie den Anwalt beauftragen.
Wie finde ich einen guten Fachanwalt für Arbeitsrecht?
Die Rechtsanwaltskammer führt ein Verzeichnis aller zugelassenen Fachanwälte, das online einsehbar ist. Achten Sie auf Erfahrung, Spezialisierung und regionale Nähe zum zuständigen Arbeitsgericht. Bewertungen anderer Mandanten können erste Hinweise geben. Eine Erstberatung bietet die Möglichkeit, den Anwalt persönlich kennenzulernen und die Erfolgsaussichten Ihres Falls einzuschätzen.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung - Bitte konsultieren Sie einen Anwalt
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